Wankel-Automobile und -Motorräder

Kreiskolben- oder auch Wankelmotoren – geniale Fehlentwicklung oder Chance?

Wankelmotor - Querschnitt

Wankelmotor – Querschnitt des Wankelmotors der Hercules W 2000

Edle und ausgefallene Oldtimer… Wankel-Automobile von NSU und Mazda sowie ein Motorrad von Hercules!

Die Idee zu einer  Retrospektive von Fahrzeugen mit diesem, von Felix Wankel erdachten, alternativen Motorenkonzept bewegt uns schon länger, jetzt haben wir – nach mehreren Nachforschungen in Automuseen – auch das passende Bildmaterial dafür.

Besonders gern denkt unser Autor beeindruckt an die Erzählung eines Arbeitskollegen zurück, als dieser Anfang der 1970er-Jahre einen NSU RO 80 als Leihwagen fahren durfte.

Er schwärmte überschwenglich über den turbinenartig ruhigen Lauf und die satt abrufbare Leistung des Wankelmotors. Beides stellte unsere BMWs, die wir Beide damals fuhren, auch wegen des strömungsgünstigen Designs, weit in den Schatten.

NSU Wankel Spider

NSU Wankel Spider – gesehen im Automuseum Melle

Felix Wankel – 1902 bis 1988 – war nicht nur ein guter Kaufmann, sondern auch ein begnadeter Techniker.

Was wir jetzt über seine persönliche Vergangenheit in den 1920er Jahren und in der NS-Zeit gelesen haben, war allerdings eher von der ganz unappetitlichen Art. Das wollen wir nicht weiter breit treten und lassen es einfach weg.

Technisch fühlte sich Felix Wankel durch keine Lehrsätze beengt. Beim Hubkolbenmotor missfielen ihm die auf- und ab stampfenden Kolben sowie die Kurbelwellen. Sein Geniestreich bestand darin, ein vorher noch nicht erfundenes Umlaufsystem mit neuartiger Gasabdichtung zu schaffen. Ein dreiecksförmiger Läufer in einem gleichfalls rotierenden Gehäuse ergab ein viertaktendes Arbeitsspiel.

Wankel-Motor

Einscheiben-Wankel-Aggregat im Heck des NSU-Wankel-Spiders

Im Januar 1960 wurde der Kreiskolbenmotor, allerdings mit stillgelegtem Gehäuse, auf einer VDI-Versammlung im Deutschen Museum München erstmals vor Fachleuten und Presse präsentiert und im gleichen Jahr der erste praxistaugliche Kreiskolbenmotor  – ab nun Wankelmotor genannt – in einem umgebauten NSU Prinz vorgeführt.

Die Vorzüge des Wankelmotors:

  • Hohe Leistungskonzentration auf kleinem Raum
  • Einfachheit – kein Kurbeltrieb, keine Ventile
  • Vibrations- und geräuscharmer Lauf

Seine Nachteile:

  • Der unökonomisch wirkende Brennraum

Der finanzielle Erfolg der Erfindung Felix Wankels wurde schnell durch Lizenznehmer in der ganzen Welt, wie z. B. Mercedes-Benz, General Motors und Toyota, abgesichert.

NSU Wankel Spider

NSU Wankel Spider – Cockpit

NSU-Oldtimer mit Wankel-Kreiskolbenmotoren – NSU Wankel Spider und NSU RO 80

Vom NSU Sportprinz wurde der offene NSU Spider als Versuchsträger mit einem Einscheiben-Wankelmotor abgeleitet und auf der IAA 1963 vorgestellt.

Dieser kleine, zweisitzige Flitzer war das erste mit einem Wankelmotor produzierte Personenfahrzeug, es ging 1964 in die Serienfertigung. Bis zum Produktionsende im Jahre 1967 wurden 2.375 Spider hergestellt.

Der Einscheiben-Kreiskolbenmotor von 497,5 ccm mit 50 PS im Wagenheck war ausgesprochen drehfreudig und bei hohen Drehzahlen im Vergleich zu anderen Triebwerken sehr laufruhig.

NSU RO 80

NSU RO 80 – Deutsches Technikmuseum Berlin

Die wahre Krönung des NSU-Fahrzeugbaus war der, für die damalige Zeit, futuristische NSU RO 80.

Seiner Zeit weit voraus… ein elegantes Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse, der 1967 mit einem Zweischeiben-Wankelmotor auf den Markt kam.

Wie jeder auf den beiden Fotos des fabrikneuen Wagens in Deutschen Technikmuseum Berlin schnell erkennen kann, wäre die absolut gelungene, strömungsgünstige Karrosserieform auch heute wohl noch gut verkäuflich – stilprägend war sie auf alle Fälle bis in die heutige Zeit hinein. Und…das nach fast fünfzig Jahren!

NSU RO 80

NSU RO 80 – Deutsches Technikmuseum Berlin

Der turbinenartig leise laufende Zweischeiben-Kreiskolbenmotor mit 115 PS – siehe Abb. unten – wurde auf der einen Seite gerühmt, war aber während der gesamten Verkaufszeit bis Mitte 1977 nie richtig ausgereift – so waren die Dichtleistendefekte legendär. Auf Kulanz wurden zeitweise bis zu 30 % der Motoren ausgetauscht, oft auch dann, wenn sie durchaus in Ordnung waren.

Insgesamt beeinträchtigte diese aus unterschiedlichen Gründen fortwährende Misere des RO 80 – Motors das Image des Wankelprinzips doch sehr. Hinzu kam auch noch ein verhältnismässig hoher Spritverbrauch. Nur 37.406 NSU RO 80 wurden produziert, er blieb ohne Nachfolger.

Trotz allem sind die Wankel-NSU heute gesuchte Oldtimer, wir haben inzwischen auch etliche von ihnen mit unserer neugierigen Kamera erwischt – vom Scheunenfund bis zum unbenutzten Museumsstück!

Querschnitt RO 80 Motor

Querschnitt des Zweischeiben-Wankelmotors des NSU RO 80 – Automuseum Asendorf

Mazda entwickelte den Wankelmotor zum drehzahfesten Triebwerk weiter – Mazda RX-7 und RX-8

Nachdem NSU unter Volkswagenregie die Weiterentwicklung des Wankelmotors aufgegeben hatte und auch Mercedes-Benz seine Versuche mit dem Dreischeiben-Hochleistungs-Sportwagen C-111 beendete, blieb nur ein Autohersteller dem Wankelprinzip sehr lange treu – die innovative Firma Mazda im fernen Japan.

Obwohl die Zeit des Wankelmotors schon zu Ende ging, hatte Mazda bis 1978 fast jedes Modell wahlweise auch mit Wankelmotor im Angebot. Die notwendige Standfestigkeit des Motor wurde erreicht und auch der Benzinverbrauch gedrückt, dieser lag aber immer noch um etwa 30 % über dem von Ottomotoren.

Ein grosser Erfolg wurde der Sportwagen Mazda RX-7, gefertigt von 1978 bis 2002. Wir zeigen diesen Wagen hier in einer Rennsportausführung mit 250 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 250 kmh. Etliche Sporterfolge wurden mit ihm erkämpft. Sein formschöner Nachfolger, der Mazda RX-8 wurde bis 2012 gebaut, bis ihm die strengen Abgasnormen, wie die EURO 5, den Garaus machten.

Mazda RX-7 in Rennsport-Ausführung

Mazda RX-7 in Rennsport-Ausführung – Museum Fichtelberg

 Das Motorrad mit Wankelmotor – Hercules W 2000 – genannt ‚Staubsauger‘.

Hercules W 2000

Hercules W 2000 Motorrad – 1. Serie ab Baujahr 1974 im Automuseum Asendorf

Aufgrund günstiger Einbaumaße und dem geringen Gewicht des Wankelmotors, lag es nahe, diesen auch in Motorräder einzubauen. Neben Suzuki, die von 1975 bis 1978 die Suzuki RE 5 als teures Topmodell fertigten, begeisterte sich in Deutschland die Firma Hercules für das Kreiskolbenprinzip und brachte im September 1974 das Wankel-Motorrad Hercules W 2000 auf den Markt.

Die wichtigsten Kenndaten der Hercules W 2000 waren:

  • Hersteller – Nürnberger Hercules Werke GmbH
  • Bauart – Naked Bike
  • Einscheiben-Kreiskolbenmotor  – System NSU-Wankel mit Gebläsekühlung
  • Kammer 294 ccm – max. Drehmoment 35 Nm bei 4.500 U/min.
  • Rotax 6-Gang-Getriebe – Kettenantrieb – Ölbadkupplung – Kickstarter
  • Leistung 27 PS/20 KW bei 6.000 U/min – Höchstgeschwindigkeit 140 kmh
  • Leergewicht 176 Kg
  • Normverbrauch 6,5 Liter/100 km
  • Produktionszeitraum – 1974 bis 1979
  • Gefertigte Stückzahl – ca. 1.800, überwiegend für den Export weltweit

Wegen des gewaltigen Kühlgebläses wurde die Hercules W 2000 gerne ‚Staubsauger genannt. Ähnlich wie bei den NSU-Wankel-Automobilen gab es anfangs enorme Schwierigkeiten mit der Zuverlässigkeit des Motors, was letztendlich das ganze Motorprinzip für Zweiräder in Verruf brachte und in Frage stellte.

In der zweiten Generation ab Baujahr 1977 wurden mit der Hercules Wankel 2000 Injection – 2. Bild – erhebliche Verbesserungen eingepflegt, unter anderem auch die Getrenntschmierung. Trotzdem war dann 1979 Schluss mit Lustig.

Hercules W 2000

Hercules W 2000 2. Generation ab Baujahr 1977 – Museum Fichtelberg

Heute sind noch ungefähr 120 Maschinen des Typs Hercules W 2000 in Deutschland zugelassen, gut erhaltene Maschinen mit intaktem Wakelmotor sind in der Motorradszene begehrte Oldimer.

Fotos, Fotos, Informationen!

Wegen des ausgesprochen komplexen Themas ‚Wankel‘ und unserem begrenzten Platz auf dieser kleinen Oldtimer-Website, können wir Ihnen leider nur einen groben Überblick mit einigen prägnanten Fotos zeigen.

Auf unserer Reisefoto- und Technik-Website Globetrotter-Fotos.de bieten wir aber für Fans der NSU-Automobile die feine Bildergalerie

Auf der Website der

kommen Motorradfans voll auf ihre Wankel-Kosten… bis ins allerletzte Detail.

Das Fahrzeugmuseum mit der umfassendsten Wankel-Abteilung soll das

sein. Dieses haben wir noch nicht besuchen können, über den Link zur Website des Museums können Sie sich aber gerne vorinformieren.

Hercules W 2000 GS

Hercules W 2000 GS – nur zwei Fahrzeuge wurden für den Geländesport gefertigt

Neue Aussichten für den Wankelmotor… als Range-Extender für Elektoautos?

Nach der heutigen Debatte um alternative Antriebe sind reine Elektrofahrzeuge wegen der noch geringen Reichweiten beim normalen Publikum zwar im Gespräch, aber die Kauflust ist sehr gering. Die Range-Extender genannten Verbrennungsmotoren als Reichweitenverlängerer sollen nach dem Willen etlicher Hersteller – z. B. Opel, General Motors, BMW i3 – dieses Problem nachhaltig lösen.

Wegen seines geringen Platzbedarfs und der grossen Laufruhe kommt jetzt auch der Wankelmotor wieder ins Gespräch. Dem Vernehmen nach könnte auch hier der japanische Hersteller Mazda wieder die Nase vorn haben, denn in Japan gibt es für den elektrischen Mazda 2  immerhin schon einen laufenden Prototypen mit Wankel-Range-Extender.

Mal sehen, welche Überraschungen wir im Wankel-Bereich noch erleben dürfen!

Klassische Automobile und Motorräder aller Epochen – Kraftfahrzeuge à la Carte.

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