Wartburg – Mittelklassewagen der DDR

Wartburg – Oldtimer-Automobile und Prototypen aus Eisenach.

Ein abgeschlossenes, aber für alle Automobil- und Oldtimerfreunde echt spannendes Kapitel ist die Entwicklung des Automobilbaus in der damaligen DDR.

Automobile Welt Eisenach

Wartburg 311 – auch die Engländer kauften Wartburgs… als Wartburg Knight

Immerhin führte er in Thüringen und Sachsen unter den erschwerten Bedingungen des realen Sozialismus die glanzvolle Fahrzeugbau-Tradition der Vorkriegszeit des Automobil-Herstellers DKW aus der Auto-Union fort.

Wartburg-Automobile – liebenswerte Oldtimer einer vergangenen Epoche

Wer erinnert sich nicht an die Mittelklassewagen aus der DDR-Produktion, hergestellt zuerst in Zwickau und ab 1953 in Eisenach als IFA F 9 und dann ab 1955 unter dem Namen des Wahrzeichens dieser bekannten Industriestadt am Rande des Thüringer Waldes – der berühmten Wartburg.

Neben dem Kleinwagen Trabant 601 – liebevoll Trabbi gerufen – waren die Wartburgs das Sehnsuchtsziel von Generationen DDR-Bürger und der Bevölkerung der Nachbarstaaten aus der vergangenen Ostblock-Zeit. Oft über zehn lange Jahre mussten damals die Menschen in den heutigen neuen Bundesländern darauf warten, bis ihnen ihr lange bestelltes Fahrzeug zugeteilt wurde. Horrende Summen wurden für ordentlich erhaltene Wartburgs auf dem Gebrauchtwagenmarkt der DDR erzielt.

O.k., das ist lange vorbei, die Wartburgs mit ihrer blauen Zweitakt-Fahne sind heute Legende und… begehrte Oldtimer! Von insgesamt über 1.600.000 produzierten Wartburgs waren Anfang 2014 in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt immerhin noch 7.134 Stück zugelassen.

Kaufvereinbarung Wartburg

Kaufvereinbarung  für ein Wartburg-Cabriolet aus dem Jahre 1957

Wartburg 311 und 313 – die gelungene Karrosserie-Form in der Wiederaufbauzeit.

Unter dem neuen Firmennamen ‚VEB Automobilwerk Eisenach‘ ( AWE ) wurde dann im Dezember 1955 in Eisenach auch der erste Wagen mit dem Namen Wartburg vorgestellt,

Vom Urahn DKW F 9 und dem entsprechenden IFA-Modell übernahm dieser erste Wartburg den Frontantrieb mit Einzelradaufhängung vorn,die bewährte Rahmenbauweise, die hintere  Starrachse mit Längslenkern und hochliegender Quer-Blattfeder sowie den Dreizylinder-Zweitakt-Vergasermotor mit Umkehrspülung, 

Wartburg 311

Ein Wartburg 311 in der Automobilen  Welt Eisenach

Völlig neu war dagegen die moderne Karosserrie des Wartburg 311 mit seinen vier Türen. Das in elf Modellvarianten bis 1965 hergestellte Fahrzeug wurde in 55 Länder exportiert.

Wartburg 311

Wartburg 311 – die gelungene Heckansicht

Wie auf diesem Bild eines Teilnehmer-Fahrzeugs der Rallye Akropolis gut zu sehen ist, machte der Wartburg 311 auch von hinten eine gute Figur und gefiel mit harmonischen Karosserielinien.

Dreizylinder-Zweitakt-Motor

der Dreizylinder-Zweitakt-Motor des Wartburg 311 im Schnittmodell

Charakteristisch für sämtlich Personenwagen aus der DDR-Produktion sollte der Motor nach dem Zweitaktprinzip werden. Im Trabant mit zwei Zylindern, wurde er im Wartburg als Dreizylinder mit zuerst 900 ccm und 27 kw sowie ab 1962 mit 1.000 ccm mit 37 kw als Wartburg 1000 angeboten.

Wartburg 311

Zweimal Wartburg 311 und ein 311 Coupé vor dem Vorgängermodell IFA F 9

Diese kleine Oldtimer-Parade ist im feinen Fahrzeugmuseum Suhl im Thüringer Wald zu bewundern. Der geschwungen geformte Wartburg 311 und der technisch weiterentwickelte Wartburg 312 basierte zwar technisch noch auf dem DKW F 9 aus dem Jahre 1940, zeigte aber erstmals eine eigene, moderne Formensprache. Gefertigt wurden diese Modelle von 1955 bis 1967, heute sind sie begehrte Oldtimer.

Wartburg 313 Roadster

Wartburg 313 Roadster im Automuseum Eisenach

Dieser Wartburg 313, auch als Wartburg Sport bezeichnete 2+2-sitzige Roadster, basierte auf dem Wartburg 311 und wurde wie auch das unten abgebildete Coupé von 1957 bis 1960 hergestellt. Insgesamt wurden 469 Fahrzeuge produziert, ein knappes Drittel davon ging in den Export, acht Stück sogar in die Vereinigten Staaten.

Wartburg 313

Wartburg 313 Coupé – Automobile Welt Eisenach

Wartburg 312 – ein Zwischentyp

1965 wurde der Wartburg 311, obwohl viele Ideen der Konstrukteure letztendlich nicht durchführbar waren, erheblich modernisiert und dem Stand der Technik angepasst und bis 1967 produziert.

Einzelradaufhängung und Schraubenfedern mit innenliegenden Teleskopstoßdämpfern, vorn an Doppelquerlenkern, Schräglenkerachse hinten mit Querstabilisator, Tripode-Doppelgelenkwellen und eine lastabhängige Bremskraftbegrenzung ‚peppten‘ den äusserlich nahezu unveränderten 312 noch einmal auf.

Wartburg 353 – mit neuer, zeitgemässer Karosserieform

Ebenfalls im Jahr 1965 kam dann der Wartburg 353 auf den Markt, mit zeitgemässer Form und deutlich verbessertem Fahrwerk und löste nach und nach bis 1967 den Wartburg mit der Bezeichnung 312 ab. Auch dieses neu karosserierte Fahrzeug wusste international zu gefallen.

Uns als Auto-Freak störten am ansonsten gelungenen Erscheinungsbild schon damals die mehr als deutlich sichtbaren Spalten zwischen den einzelnen Karrosserieteilen. Als reparaturfreundlich beschrieben, war es unserer Meinung nach doch ein Gestaltungsmakel.

Das konnten nahazu alle anderen Hersteller wesentlich besser und gefälliger, was später in Westdeutschland sogar zu einem kleinen ‚Kampf‘ der Automobil-Hersteller um die schmalsten Spaltmasse führte.

Wartburg 353 Tourist

Wartburg 353 Tourist – hier der fünftürige Kombi ‚Tourist‘

Die Wartburgs im Motorsport

Wer hätte das gedacht, mit Wartburgs konnte man auch Rallye fahren. Natürlich wurden am Wagen so etliche Änderungen vorgenommen und der Dreizylinder-Zweitaktmotor deutlich auf 110 PS bei 5500/min und ein Drehmoment von 142 Nm bei 4200/min mit einem Hubraum von 1147 ccm leistungsgesteigert. Na, ja… die kreischten dann wie eine Kreissäge!

Automobile Welt Eisenach

Wartburg 353 WR Rallye-Fahrzeug – Automobile Welten Eisenach

Zeitweise waren die DDR-Rallyefahrer nach Gruppe B Reglement doch recht erfolgreich mit dem Wartburg 353 WR, der hier auf einem Spezial-Einzelstück-Pickup des Wartburg 353 gezeigt wird.

Die Zweitakt-Ära nähert sich dem Ende – der Wartburg 1,3 mit VW-Motor

Wartburg 1,3

Wartburg 1,3 ab Baujahr 1988

Schon ab Mitte der 1970er Jahre bekamen die Wartburgs bei ihren westlichen Abnehmern erherblichen Gegenwind bezüglich des Abgasverhaltens des langjährig eingesetzten Zweitaktmotors. Die blaue, übel riechende Aufpuff-Fahne war zwar Legende, aber eben ‚Out‘.

Das westliche Pendant DKW F 102 wurde schon längst als Audi 60 mit Viertaktmotor neu positioniert. Die Eisenacher entwickelten zwar ebenfalls einen Viertakter zur Marktreife, der aus politischen Gründen nicht zum Einsatz gelangte.

Ab 1988 wurde dann der auch in der DDR gefertigte 1,3 Liter VW-Polo-Motor, nach einigen Veränderungen am Motor sowie am Fahrzeug, in den Wartburg 1,3 eingebaut. 1991 lief dann die Wartburg-Produktion endgültig aus. Eine Ära war vorbei!

Wartburg-Prototyp werden entwickelt und… nie gebaut!

Einzelstücke der Versuchsabteilung… sind heute zum Glück noch in Fahrzeugmuseen zu sehen.

Automobile Welt Eisenach

Wartburg 353 Coupé – VIII. Entwurf auf dem Zeichenbrett in Eisenach

Unser Foto zeigt das original Zeichenbrett mit dem VIII. Entwurf für ein Wartburg 353 Coupé aus dem Jahre 1967. Diese Karosserie-Ausführung des Mittelklassewagens wurde allerdings nie realisiert.

Für Design-Interessierte – zu besichtigen sind im Museum Automobile Welt Eisenach dazu auch Plastilin- und Holzmodelle verschiedener Entwicklungsstadien der Prototypen.

Wartburg-Prototyp für die NVA

Wartburg 400 – offener Wartburg-Prototyp für die NVA

Einzelstücke sind diese hier gezeigten und heute in Eisenach sowie in Dresden aufbewahrten Prototypen geblieben. Die Konstrukteure und Autobauer der DDR konnten und wollten eben viel mehr, als die damalige Politik her gab.

Wartburg 355 - Prototyp

Wartburg 355 Prototyp – ausgestellt im Verkehrsmuseum Dresden

Auch dieses Wartburg-Coupé 355 mit Fliessheck und 54 Kw-Frontmotor von Renault war seiner Zeit voraus, bekam aber keine Chance auf Serienfertigung, es blieb beim Einzelstück.

Gelebte Historie – Teile des früheren Wartburg-Werkes sind für die Nachwelt erhalten! 

Das denkmalgeschützte Betriebsgebäude O2 wurde im Jahr 1935 im Norden des Betriebsgeländes errichtet. Die frühere Werkshalle wurde zu Zeiten des VEB AWE als Verwaltungsgebäude genutzt und ist heute, nach umfassender Sanierung, seit 2005 als Ausstellungshalle für die Automobile Welt Eisenach.

AWE Eisenach

Das Museum im Untergeschoss des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Autofabrik AWE Eisenach

Das frühere AWE-Haupttor wurde beim Wiederaufbau des Automobilwerkes nach dem Zweiten Weltkrieg an seinen heutigen Standort umgesetzt. Nach der Schließung des Werkes konnte es vor dem Abriss bewahrt werden und ist heute Sitz der Stiftung Automobile Welt Eisenach.

Automobile Welt Eisenach

AWE Haupttor – die Einfahrt zum früheren Wartburg-Werk in Eisenach

AWE  – Automobile Welt Eisenach

Die meisten der hier gezeigten Fotos sind in einer ehemaligen, erfolgreich renovierten Werkshalle O2 der Eisenacher Fahrzeugwerke entstanden. Vor dem zweiten Weltkrieg wurden hier die Dixies und berühmte BMW-Modelle gefertigt. Zu DDR-Zeiten aber wurden hier die Wartburg-Modelle entwickelt und produziert.

Heute ist in der ehemaligen Fabrikhalle des ansonsten maroden Werkes stilgerecht das sehr sehenswerte Automuseum – die Automobile Welt Eisenach – untergebracht.

Wahre Kraftfahrzeug-Enthusiasten haben liebevoll und chronologisch nahezu alle jemals in Eisenach produzierten Modelle der Marken Dixi, BMW, EMW, AWE, IFA und Wartburg zusammengetragen und in einer ansprechend gestalteten Ausstellung präsentiert.

Eine ausführliche Bildergalerie des wirklich sehenswerten Museums in Eisenach sehen Sie unter

auf unserer beliebten Reisefoto-und Technik-Website Globetrotter-Fotos.de. Für die Freunde der Oldtimer aus der DDR-Produktion, speziell des Sachsenring Trabant, ist sicherlich auch unsere Bildergalerie

interessant. Also, einfach mal hereinschauen und stöbern!

Und hier fährt vor… der  Vorgänger und wichtigster Technologieträger aller Wartburgs – der IFA F 9:

IFA - F 9

IFA – F 9 – ausgestellt im brandneuen PS.Speicher von Einbeck

‚Ja, das ist doch ein DKW!‘ – sollte man meinen. Technisch und vom Aussehen her ist dieser Wagen auch ein astreiner DKW F 9, wie er bereits 1940 vorgestellt wurde. Unter der Bezeichnung IFA F 9 wurde das formschöne Fahrzeug dann im VEB Kraftfahrzeugwerk Audi Zwickau ab Oktober 1950 durch den Industrieverband Fahrzeugbau der DDR ( IFA ) bis 1953 produziert.

Erst das geringfügig weiterentwickelte, intern EMW 309 genannte, dann im VEB Automobilwerk Eisenach ( AWE ) mit ungeteilter Frontscheibe gefertigte Modell kam dann auf ordentliche Stückzahlen und… wurde 1956 vom Wartburg 311 abgelöst.

Die parallele Weiterentwicklung des DKW F 9 zum Auto Union 1000 S in der alten Bundesrepublik erleben Sie in unserem Beitrag

DKW und Auto Union – verpflichtende Tradition und kontinuierliche Weiterentwicklung

IFA - F 9

IFA – F 9 – gesehen im Fahrzeugmuseum Suhl

Weitere, ausgezeichnete Fahrzeugmuseen, in denen wir historische DDR-Fahrzeuge fotrografiert haben, sind:

August Horch Museum- eine herausragende Präsentation in den ehemaligen Produktionsstätten von Audi in Zwickau.

Fahrzeugmuseum Suhl – Simson-Automobile, alle in Suhl produzierten Zweiräder sowie DDR-Oldtimerautos.

Verkehrsmuseum Dresden – von den Anfängen der Motorisierung bis zur sächsischen DDR-Fahrzeug-Produktion.

Stöbern Sie doch einfach mal in unseren Bildergalerien! Das nachfolgende Video, vermutlich aus dem Jahr 1965, bietet Ihnen einen kurzen Original-Werbespot für den Wartburg 1000. Ja, ja, damals war’s. Wir wünschen viel Vergnügen!

 

 Edle Oldtimer – eine spannende Foto-Parade klassischer Automobile aller Epochen!

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