DKW RT 100

Die wechselvolle Lebensgeschichte eines legendären Oldtimer-Motorrades

DKW RT 3 PS - Baujahr 1939

DKW RT 3 PS – Baujahr 1939

Die DKW RT 100

DKW in Chemnitz führte 1934 den Kraftradtyp RT 100 ( RT 100 für Reichs Typ 100 ccm) ein. Die Werbung sprach von einem vollwertigen Motorrad und konnte sich den Seitenhieb „kein Fahrrad mit Hilfsmotor“ nicht verkneifen. Im Unterschied zu den Kleinkrafträdern mit Hilfsmotor (hier meistens der 97 ccm Sachs mit 2,25Ps) hatte die DKW einen Kickstarter und keine Pedale zum Antreten. Auch war der DKW Motor dem Sachs Motor in Leistung (2,5Ps aus 98 ccm) und Verbrauch überlegen. So gibt sich die DKW, wenn man sparsam fährt, mit knapp einem Liter Benzin auf 100 Kilometer zufrieden!

Im Jahre 1936 wurde die DKW sanft modernisiert. Der Motor leistete nun 3Ps und die Vorderradgabel erhielt eine Gummibandfederung. So blieb das kleine Motorrad bis 1940 in Produktion. Die kleine DKW war das meistgebaute DKW Motorrad der dreißiger Jahre. Nicht zuletzt durch ihren Erfolg nannte sich DKW stolz „Größte Motorradfabrik der Welt“!

Die DKW RT100 war auch unter den Typenbezeichnungen DKW RT 2,5 Ps und die späteren Exemplare und dem Namen RT 3 Ps bekannt. Trotz des riesigen Verkaufserfolges (über 70.000 Exemplare) blieben bis heute nicht besonders viele Maschinen erhalten. Ein Grund dafür dürfte der massenhafte Einsatz als Fahrschulmotorrad bei der Hitlerjugend gewesen sein. Die Maschinen, die den Krieg und das System überlebt haben, wurden während des Wiederaufbaus verbraucht und anschließend weggeworfen.

So sah in den Dreissiger Jahren ein modernes, kleines Motorrad aus

So sah in den Dreissiger Jahren ein modernes, kleines Motorrad aus

DKW RT 100 – eine der wenigen überlebenden Maschinen möchte ich hier nun genauer vorstellen:

Dank des bei DKW möglichen Ratenkaufs entschied sich der in Bremen wohnende Stahlpresser Johann Zirks zum Kauf der DKW RT 3Ps Sport mit der Rahmennummer 448629 beim DKW General Depot Gebrüder Lindenbauer in Bremen-Neustadt. Als Zubehör gönnte er sich noch eine Anhängerkupplung und einen Soziussitz mit Fußrasten. Am 10. Februar 1939 wurde sie dann mit dem amtlichen Kennzeichen HB-21189 auf seinen Namen das erste Mal zugelassen. Bereits im Januar 1940 musste sich Herr Zirks wieder von seiner DKW trennen. Er wurde zum Kriegsdienst eingezogen.

Nun kommt mein Großvater ins Spiel. Er fuhr als gut verdienender Leitender Oberingenieur bei den Bremer Focke-Wulf Flugzeug Werken eine DKW Meisterklasse Cabrio-Limousine. Da aber mit Ablauf des Jahres 1939
der Kraftstoff in Deutschland rationiert wurde, musste er sein Auto stilllegen. Ihm stand zwar als „kriegswichtig“ eingestufte Person Kraftstoff zu, dieser reichte aber nicht für den Betrieb eines Automobils. Damit war Bremen-Huchting (1939 waren hier drei Automobile zugelassen) zum Jahreswechsel 1939-40 wieder fast autofrei. Lediglich das Goliath Dreirad des Gemischtwarenhändlers bekam das heißbegehrte rote Dreieck aufs Kennzeichen und durfte weiterfahren.

Da mein Großvater aber mobil sein musste, kaufte er sich am 06. Februar 1940 die kleine DKW. Diese stand nun schon fast wieder einen Monat bei Lindenbauer zum Verkauf. Für 280,50 Reichsmark (inklusive 2 Mark Urkundensteuer und 3,50 Mark Zulassungsgebühr) ging sie in seinen Besitz über. Die Firma Lindenbauer gab ihm nach einer ausgiebigen Werkstatt-Prüfung 4 Wochen Garantie ab Kaufdatum. Auf der Rechnung wurde am 08. Februar „Barzahlung“ vermerkt. Nun brachte die kleine DKW ihn täglich ins Büro.

Der originale Tankdeckel der DKW-Maschine

Der originale Tankdeckel der DKW-Maschine

Den Krieg überstanden sowohl die Meisterklasse Cabrio-Limousine wie auch das kleine Motorrad unbeschadet. Und das, obwohl es in Bremen noch bis zum 13. Mai 1945 zu Kampfhandlungen kam und auch das Wohnhaus
meines Großvaters noch im Mai 45 durch Granatbeschuss beschädigt wurde. Noch im Spätsommer 1945 wurde die DKW wieder zum Leben erweckt und auf das nun gültige Kennzeichen BM-01-074 zugelassen (BM stand für
Bremen). Die Cabrio-Limousine wurde verkauft. Mit dem zum 01. Januar 1948 eingeführten Besatzungszonen Kennzeichen bekam sie dann das heute noch vorhandene Nummernschild AE 21 1273 ( AE für Amerikanische Enklave Bremen ).

Bis 1951 stand sie so im täglichen Einsatz. Im Sommer 1951 ging sie sogar auf „große Fahrt“. Mein Großvater und mein Vater fuhren eine Tante in Nürnberg besuchen. Im Herbst 1951 kam es dann vor dem
Bremer Rathaus zu einem schweren Unfall. Ein Lastwagen der US-Army übersah meinen Großvater im Nebel. Das Motorrad war kaputt und mein Großvater lag über Wochen im Krankenhaus. Da er aber nichts zum Herumfahren hatte, brachte er die Reste in eine Werkstatt zum Wiederaufbau. Bereits zum Jahreswechsel lief die Kleine wieder.

Seitdem sind falsche Schutzbleche, falsche Felgen und der Scheinwerfer einer DKW RT 125 verbaut. Im Frühjahr 1952 wurde es jedoch ruhig um die DKW. Mein Großvater hatte sich wieder ein Auto zugelegt. Am 8. Februar 1953 wurde die DKW stillgelegt. Sie wurde zerlegt in Kisten verpackt auf dem Speicher eingelagert.

Das Motorrad-Typenschild - mit Unfallspuren von 1951

Das Motorrad-Typenschild – mit Unfallspuren von 1951

Die Oldtimer-Maschine heute

Erst 1982 kam die DKW wieder zum Vorschein. Mein Vater grub sie aus, nahm sie mit nach Hause und machte sich an ihre Wiederbelebung. Dabei legte er Wert darauf, die DKW so wieder herzustellen, wie er sie kennengelernt hat und nicht etwa so wie sie ausgeliefert wurde. Am 14. Juli 1983 wurde sie wieder zugelassen. Über zwanzig Jahre war sie ab dann mit dem Kennzeichen RO-LD 746 unterwegs.

Sie schaffte es zu Auftritten in der Zeitschrift „Oldtimer Praxis“, im Bayerischen Fernsehen und als bewundertes Ausstellungsobjekt auf dem „Bayerischen Oldtimer Festival“ in Rosenheim. Seitdem Dezember 2003 ist sie im niedersächsischen Bruchhausen-Vilsen (wo auch die Bilder entstanden) zu hause.

Da so ein Stück Familiengeschichte gepflegt werden muss, geht sie so langsam in die dritte Generation in „ihrer Familie“ über.Mal sehen wann ich mit ihr mal wieder nach Bremen Huchting fahre. Das Haus meines Großvaters steht samt Garage noch nahezu unverändert und vielleicht freut sie sich ja ein wenig über ihre alte Heimat….?

Text und Fotos – Stephan Arbeitlang.

DKW-RT-3Ps-mit-Fahrer

Stephan Arbeitlang auf seiner DKW RT 3Ps

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7 Responses to DKW RT 100

  1. angus sagt:

    hallo toles altes motorrad noch von adolf hitler 100 ccm 3 ps der anfang der mopeds habe ein altel moped gesehen mit motor für 1000 euro motor komplet fehlen nur par teile am rahmen rentirt sich das zum restoriren sich auch enteresante alte technik am motor mit gang schaltung diser alter hitler motor würde ich gerne resturiren repariren und modifiziren

  2. Wer die DKW kennen lernen möchte sollte auf der Bremen Classis Motor Show 2013 den Stand des DAVC besuchen!

    Halle 5, Stand 5C40 – bei der Sonderausstellung

  3. Hikkamonster sagt:

    Bremen Classis Motor Show 2013

    Hallo, Stephan! Wir sehen uns am 2. Februar! Ich bin dort zum Bloggertreffen angemeldet.

    Viele Grüsse Helmut!

  4. Andreas Schneider sagt:

    Hallo Stephan,

    ich bin gerade auf diese schöne Website gestoßen. Sieht gut aus, die RT 3PS.
    Genau so ein Gefährt (mehr oder weniger) habe ich gerade im Schuppen zerlegt. Das hat ausgesehen, als wäre es 50 Jahre im Schuppen gestanden (war es auch). Rost, Dellen und wenig übrig vom Chrom.
    Ich richte das gerade wieder her und habe wirklich vor, es in den Ur-Zustand zu versetzen. also: alles abbauen, schmirgeln und komplett neu lackieren. Dann wieder zusamme bauen.
    Ich habe natürlich viele Fotos gemacht und auch im Audi-Museum eine angebliche Original Maschine fotografiert.
    …da ist meine originaler!

    Ich suche noch ein Werkstatthandbuch oder Serviceunterlagen; kann aber weder bei Stemler, noch bei Geyer und Co. was passendes finden.
    Kannst Du mir da vielleicht ein paar Tipps geben?

    Schönen Gruß
    Andreas

  5. Christian Bosch sagt:

    Hallo
    Ich habe auch eine RT 3 PS und das Problem das ich nicht weis wie ich das Getriebeöl einfüllen soll.
    Wenn ich es auf der Kupplungsseite wo die Öleinfüllschraube ist läuft bei der Ölablassschraube kein Öl raus.
    Muss man das Öl durch die Aretierschraube der Gangschaltung einfüllen? Wenn ja wie viel und welches Öl muss ich dann bei der Kupplung verwenden.
    Wäre nett wenn ich bald eine antwort bekommen könnte da die RT auf die erste Ausfahrt seit 54 Jahren wartet.
    Danke im voraus Christian Bosch

  6. Janis fay sagt:

    Ich suche eine dkw obwohl ich eine besitze suche ich eine zweite für 600 euro meldet euch ma wer eine hat

  7. andreqs sagt:

    habe eine rt 100 suche einen motor oder reperatur

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